Mein neues Leben

begann am Tag meiner Bypass - Operation in der Herzklinik in Siegburg.  Das wußte ich damals aber noch nicht. Drei Tage nach einer Gallenblaseentfernung bekam ich einen Herzinfarkt, den 2. meines Lebens begleitet von starken Hustenanfällen und mit Wasser in der Lunge.Diese Fakten lesen sich schnell, aber die Ärzte brauchten einige Untersuchungen, die sich über mehrere Wochen hinzogen. Und ich? Ich brauchte Geduld, Geduld mit den Ärzten und mit mir. Dann die Offenbarung: Bypässe müssen gelegt werden, aber hier können wir das nicht leisten. Die Wahl (oder eher die Not) entschied: Helios Klinikum Siegburg - Prof. Dr. med.Ennker, eine bekannte Spitzenkraft auf diesem Gebiet. Im persönlichen Gespräch macht er mir Mut - sein Satz: "Meine Mutter habe ich auch operiert und die ist jetzt 91 Jahre. Sie sind jetzt 72 Jahre - stellen sie sich vor, was alles Schöne sie noch erleben können." Mit den Erinnerungen an den letzten Urlaub in Fuerteventura, den Sandstrand und das Meer schlief ich ein.

                    

 

 

 

Fünf Tage nach dieser Operation wurde ich zur Reha nach Bad Drieburg weiter

geleitet. Allerdings war ich so schwach, dass mein Mann mich zu allen

Anwendungen und zum Verbandswechsel mit dem Rollstuhl fahren musste.

Zwei Wochen bemühten sich die Ärzte und Schwestern um die Verbesserung

meines Gesundheitszustand. Doch vergeblich - die Nähte eitern - der Husten 

verschlimmerten sich - im Brustkorb wurden die Schmerzen stärker - es war

unumgänglich: ich mußte zurück nach Siegburg - ich haderte mit Gott und der

Welt (und den Ärzten).

Mein Mann war völlig durcheinander (und verzweifelt). Er mußte zurück nach

Stolberg.

Das Ergebnis der MRT-Untersuchung: Entfernung des völlig zertrümmerten Brustbeins (Sternum). Durch den starken Husten hat die Verdrahtung der Bypässe das Sternum zerstört. Es mußte ganz schnell geschehen, da alles bereits vereitert war. 

Der Beginn und die nächsten zwei Wochen liegen im Nebel der Narkose(n).

Sie liegen im Dunklen, in dem gleichen Dunkel wie die Zeit als Kind im Berliner

Waisenhaus. Die Ängste vor der Dunkelheit sind waren da, Ängste, die ich gut

bearbeitet und verpackt glaubte.

Als notorische Seitenschläferin nur auf dem Rücken liegen zu müssen, damit die

Narben nicht aufbrechen, hindernten mich am Schlafen. Dazu kamen unsagbare

Schmerzen von den Operationen. Ich verstand mich nicht mehr; wußte nicht, was

mit mir los ist.

"Frau Ryl, sie müssen nicht unter Schmerzen leiden, wir können ihnen helfen".

Ich ließ mir helfen und schluckte, was sie mir gaben, ohne zu wissen, was ich

schluckte. Kurz und gut, über mehr als 3 Monate zog sich das gesamte Prozedere

mit mehreren Operationen und dem ständigen Wechsel zwischen Intensivstation

und normaler Station.

Ab und zu kamen mein Mann aus dem über 200 km entfernten Stolberg, meine

Söhne aus Berlin und Geislingen, meine Schwiegertochter und Enkel;Enkelin und

Freunde zu Besuch; ein aufmunterndes Wort von einer Schwester oder einem Arzt

- das waren Lichtblicke für mich.

Sie gaben mir Kraft zum Durchhalten/ Aushalten - oft wollte ich aufgeben -

einfach nicht mehr aufwachen - nur noch Ruhe!!! 

 

"Lerne loszulassen, das ist der Schlüssel zum Glück." Buddha

 

Loslassen - was? Mein altes Leben!

Nichts wird wieder so sein wie es einmal war! Was kann ich mit diesem Leben tun?

Keinen aktiven Sport - keine Sportgruppen anleiten - keine Arbeiten im Haus und im Garten - kaum Gehen können, weil die Luft knapp wird - die Beine zu schwach sind - wozu sollte die Quälerei gut sein? 

 

Der Weg zurück

 

18. Dezember 2015 - Ankunft Daheim

Schwach fühle ich mich, aber das Gefühl, endlich wieder Daheim zu sein, erzeugte Hochstimmung in mir. Langsam 'schlich' ich die Treppe hoch und glitt froh und erleichtert in mein Bett. Mein Bett fühlt sich wundervoll an, obwohl es ein ganz normales Boxspringbett ist, eben ein 'Rentnerbett' mit Motor zum Verstellen der Kopf- bzw. Fußteils. Oft erinnern mein Mann und ich mich an die Dispute vor dem Neukauf unser neuen Betten. Er hat sich eins ohne Moter gekauft.

 

 

 

 

 

 

 

E - Mail: giselaryl@gmx.de

 

 

"Wer zu hören versteht, hört die Weisheit heraus.

Wer nicht zu hören versteht, hört nur Lärm."

(Chinesisches Sprichwort)

 


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